Mein Favorit der Woche stammt aus der Luftpost Reihe. Daniel Büchele interviewt Menschen auf der ganzen Welt zu ihren persönlichen Reiseerfahrungen. Es wird aber nicht über die schönsten Strände und die besten Hotels gesprochen, es geht eher um Kultur, eigene Wahrnehmung und natürlich um Geschichte. Ausgelöst von seiner eigenen Reiselust und dem ständigen Beantworten der gleichen Fragen nach seiner Reise, rief er das Projekt Luftpost ins Leben. Sein ganz persönliches Ziel ist es, mindestens einen Reisenden pro Land interviewt zu haben.

Das tägliche Leben in Dschidda

In dieser Folge spricht Daniel mit Miriam. Sie lebt und arbeitet in Saudi-Arabien. Miriam hat Islamwissenschaften studiert und spricht arabisch. Wie sie sich in ihrer neuen Heimat zurechtfindet erzählt sie auf ihre ganz sympathische Weise.

Miriam fördert den Kulturaustausch mit anderen Ländern. Sie wohnt in einem kleinen Compound in der Millionenstadt Dschidda. Und während sie so erzählt, werde ich direkt von ihr mitgerissen und kann mir alles bildlich vorstellen.

Sie als Frau muss sich in der Öffentlichkeit anders anziehen als in Deutschland. Sobald sie sich in öffentliche Situationen begibt, muss sie eine Abaya anziehen. Vergleichbar mit einem langen schwarzen Mantel aus dünnem Stoff. Saudi-Arabische Frauen müssen da aber noch viel mehr beachten. Da es ein vom Islam geprägtes Land ist, sind die meisten Frauen komplett verschleiert. Das heißt, dass man weder Haare, Augen, Beine oder Arme sieht. Nur in den privaten Räumen ist es den Frauen erlaubt sich normal zu kleiden.

Auch wenn Dschidda die wohl weltoffenste Stadt in Saudi-Arabien ist, heißt das nicht, dass jeder machen kann was er möchte. Die islamische Religion gibt hier den Ton an: Fünf Mal am Tag wird gebetet. Dabei kommt das tägliche Leben oft zum Erliegen. Geschäfte schließen, Restaurants hören auf ihre Gäste zu bedienen und Menschen beten auf der Straße. Es gibt jedoch eine App, die den westlichen Bewohnern anzeigt, wann das nächste Gebet stattfindet. So steht man nicht vor verschlossenen Türen und muss bei 48 Grad Außentemperatur schwitzen. Denn immerhin dauert ein Gebet mindestens 30 Minuten.

Auch während des Ramadans ist das tägliche Leben etwas komplizierter. Es wird von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gefastet. Das bedeutet für Miriam, dass sie in der Öffentlichkeit weder essen noch trinken darf. Doch sobald die Sonne untergegangen ist, gibt es jeden Abend ein Festmahl. Familien kommen zusammen und essen wie die westlichen an Weihnachten. Viele Saudis sparen für Ramadan, denn manche Lebensmittel sind durch erhöhte Nachfrage teurer als sonst. Man kocht eben auch, ganz selbstverständlich, für Freunde oder Familien mit.

Ihre Freizeit gestalten die Saudis ganz anders

Woran Miriam sich auch erst gewöhnen musste: Es gibt keinerlei Kinos, Theater oder Konzerte. Die Menschen in Saudi-Arabien sitzen eher in großen Gruppen in Parks oder am Strand und essen zusammen. Abends sind die Restaurants ebenfalls überlaufen und die großen Shopping-Malls machen den Umsatz des Tages. Am Wochenende werden oft Wüstenwanderungen gemacht. Die Männer fahren dann auch mal gerne mit Ihren Jeeps in der Wüste herum, Frauen dürfen jedoch nur auf dem Beifahrersitz sitzen, da es ihnen nicht erlaubt ist Auto zu fahren.

Zwar liegt Dschidda am roten Meer, aber es gehen nicht viele Saudis schwimmen. Man könnte meinen, dass bei 48 Grad Außentemperatur, die Strände vollkommen überlaufen sind. Ganz im Gegenteil: Viele der Strände sind gar nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Die meisten Abschnitte des Strandes gehören zu Hotels und Privathäusern.

Mich hat dieser Podcast sehr neugierig gemacht. Am liebsten würde ich mir das gerne persönlich anschauen. Aber wie Miriam in dem Beitrag auch erklärt, werden kaum Visa für Touristen ausgestellt. Saudi-Arabien ist kein Land für Touristen, es gibt nur wenige westliche Reisegruppen mit Reiseleitern, denen es erlaubt ist Urlaub zu machen. Als Geschäftsmann, Investor oder Politiker ist es dann schon einfacher. So bleibt Saudi-Arabien für die meisten Menschen doch ein weißer Punkt auf der Landkarte.

Wenn Ihr den Staff Pick der letzten Woche noch nicht gelesen habt, solltet Ihr jetzt unbedingt hier klicken und den Artikel „Radioreise in die Vergangenheit – Prince Edward Island“ lesen.

Ihr wollt noch mehr von Daniel Büchele und seinen Gästen hören? Dann suche Dein Reiseziel bei Luftpost.

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.