Wie Ihr vielleicht schon mitbekommen habt, waren wir dieses Jahr auf dem Scoopcamp unterwegs. Das Scoopcamp ist eine jährliche Innovationskonferenz für Onlinemedien in Hamburg, die von der dpa und Hamburg@work veranstaltet wird. Im stilvollen Ambiente des Schmidt Theaters konnten Journalisten und andere Akteure der Branche einen Tag den Vorträgen nationaler und internationaler Größen, wie zum Beispiel Charles Lewis oder auch Michael Maness lauschen und sich in verschiedenen Paneldiskussionen und Workshops austauschen.

Der heutige Journalismus befindet sich in einer turbulenten Phase des digitalen Wandels. Nahezu überall registriert man die Notwendigkeit zur Veränderung, es wird mit neuen Formaten und Geschäftsmodellen experimentiert – von (halb-) außen betrachtet zeigt sich eine interessante Melange aus Aufbruchsstimmung und Ratlosigkeit innerhalb der Branche.

Den Auftakt zu dieser Konferenz machte einen Tag zuvor ein sog. Hackathon. Ein Event, bei dem verschiedene Teams (jeweils bestehend aus Redakteuren, Programmierern, Designern und weiteren Interessierten) unter dem Motto „New Storytelling (auf der Reeperbahn)“ innerhalb von 24 Stunden eine Idee und erste Umsetzungen für ein neues Medienprodukt entwickeln sollten. Dass wir als junges Start-Up von den Veranstaltern hierfür angefragt wurden, erfüllte uns zu gleichen Teilen mit großer Freude und Stolz. Ein Blick auf die anderen Hosts, wie Deutsche Welle, NDR Netzwelt oder auch die Softwareriesen von Thoughtworks, ließ dann noch eine Nuance Nervosität hinzukommen – natürlich sagten wir sofort zu. Für uns bot sich die einmalige Gelegenheit eines unserer neuesten Pilotprojekte im Kreis vieler interessanter Menschen weiterzudenken, zu entwickeln und einem illustren Fachpublikum am nächsten Tag vorzustellen. Seit kurzer Zeit arbeiten wir mit Hamburg Mittendrin und den Eimsbütteler Nachrichten zusammen. Zwei spannende Onlinemagazine, die neue Wege im Lokaljournalismus ausloten.

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Bildquelle: audioguideMe

Gerade im hyperlokalen Journalismus ist die Interaktion mit den Leserinnen und Lesern von besonderer Bedeutung. Auch in diesem Ressort wollen die Menschen tagesaktuell und qualitativ hochwertig informiert werden. Dem steht jedoch die Entwicklung entgegen, dass immer mehr Verlage und Zeitungen sich aus dem Lokalen zurückziehen. Zeitungen, die sich mit einer Gesamtregion befassen, berichten in einer geringeren Dichte über einzelne Stadtteile, Viertel und Straßenzüge. Die traditionelle Form der Berichterstattung bleibt in Hinsicht der Abrufbarkeit und Vielfalt hinter den Bedürfnissen der Leserinnen und Leser, auch aber hinter den Möglichkeiten (hyper-)lokaler Berichterstattung im Netz weit zurück.

Die Kombination von hyperlokalem Onlinejournalismus mit einem Location Based Service kann neue Möglichkeiten des Storytellings eröffnen. Vom eigenen Standort aus könnten Nutzer unmittelbar Nachrichten abrufen, die für ihre aktuelle Umgebung relevant sind. Erzählt werden die lokalen Nachrichten nicht nur mit Hilfe von Texten, sondern auch mit akustischen Aufnahmen und Bildern – eben transmedial. Bei aktuellen Ereignissen, beispielsweise Demonstrationen, können die Nutzer in Echtzeit informiert werden, noch lange bevor der endgültige Bericht in der Redaktion fertiggestellt oder die Veranstaltung zu Ende ist. Darüber hinaus kann die Geschichte unmittelbar von den Nutzern kommentiert und um eigene Aufnahmen ergänzt werden.

Eine solche Verbindung von modernem, hyperlokalen Onlinejournalismus und unserer Plattform weckte von der ersten Sekunde an unsere Neugier. Als neuer Service für Location Based Storytelling haben wir bislang verstärkt Kooperationen aufgebaut, deren Inhalte eher zeitunabhängig funktionieren, d.h. zum Beispiel klassische Stadtführungen, Reiseberichte oder auch Podcasts zu historischen Ereignissen. Lokaljournalismus eröffnet ein völlig neues Anwendungsfeld und fügt der Plattform eine weitere, nämlich tagesaktuelle Ebene hinzu.

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Bildquelle: audioguideMe

Als Projekt, das erst wenige Monate alt ist, wählten wir einen etwas abweichenden Projektansatz für den Hackathon: Anstatt innerhalb der vorgegebenen Zeit einen eigenständigen Prototypen zu entwerfen, der über das Scoopcamp hinaus evtl. nicht weiterentwickelt und daher keine reale Anwendung erfahren würde, fanden wir den Gedanken interessanter, unsere existierende Plattform um neue Funktionen zu ergänzen, die das beschriebene Anwendungsszenario künftig ermöglichen. audioguideMe möchte eine innovative Erweiterung hypermedialer, nonlinearer Kommunikation bieten, die auch journalistisch genutzt und ausgewertet werden kann. Diese Projektskizze weckte erfreulicherweise das Interesse vieler Scoopcamp-Teilnehmer, so dass wir letztlich 15 interessierte Personen an diesem Tag in unseren Räumen begrüßen durften. Die ersten Stunden des Hackathons wurden zur Identifikation der zu entwickelnden „Keyfeatures“ aufgewendet. Ein unglaublich interessanter Dialog, bei dem wir besonders von der Perspektive der anwesenden Redakteure in hohem Maße profitierten. In der anschließenden Entwicklungsarbeit entstanden so drei neue Features, die hier in aller Kürze umrissen werden sollen:

– Ein Widget, welches auf Seiten unserer Kooperationspartner eingebettet werden kann und in Zukunft wie eine Art „akustische Twitterbox“ funktionieren wird. Ein solcher Player kann je nach inhaltlicher Ausrichtung dann Audios eines bestimmten Erstellers (in diesem Fall z.B. die Redaktion), oder aber auch Audios zu einem bestimmten Themenkomplex abspielen. Die App, mit ihrer eingebauten Aufnahmefunktion, funktioniert dann wie ein Satellit und kann Inhalte direkt vom Ort des Geschehens (z.B. Demos, Großveranstaltungen etc.) hochladen und dem Widget zur Verfügung stellen. Aus journalistischer Sicht ist hierbei auch die Geofencing-Funktion innerhalb unseres Aufnahmeprozesses interessant, da durch sie eine höhere Verifikation des Erstellungsortes gegeben ist.

– Eine Verlinkung auf der Audio-Detailseite in der App soll künftig ermöglichen, über z.B. ein Interview auf unserer Plattform akustisch „zu stolpern“ und weiterführend auf der jeweiligen Website das Interview dann zu lesen. Viele Redakteure zeichnen Interviews ja sowieso auf, auch wenn sie eigentlich für Printmedien arbeiten. Hier entsteht also kein Mehraufwand.

– In unserer App wird eine entsprechende Kategorie „News“ angelegt, die andere Inhalte auf der Karte ausblendet und lokale Nachrichten am Ort des Geschehens abbildet. Anwohner und natürlich auch alle anderen Interessierten können so im wahrsten Sinne des Wortes „sehen und hören“ was in ihrem Viertel passiert.



audioguideme Widget
Bildquelle: audioguideMe

Die Präsentation im Rahmen des Scoopcamps ließ es dann noch einmal spannend werden. Nach den einzelnen Projektvorstellungen konnten die Konferenzteilnehmer via twtpoll für ihren persönlichen Favoriten abstimmen. Von den Veranstaltern dramaturgisch wirkungsvoll in Szene gesetzt, zeigte die große Leinwand auf der Bühne die verstreichende restliche Zeit. Zu unserer großen Freude wählte uns das anwesende Publikum auf den 2. Platz! Der erste Platz ging an das interessante Projekt der Deutschen Welle für eine Open Source Applikation, die es dem Nutzer erlaubt, seine Google, Facebook und Twitter Daten autark auszulesen.

Wir bekommen so eine schöne Mischung von sehr subjektiven Eindrücken und redaktionellen Inhalten.
(Ada von der Decken, Chefredakteurin der Eimsbütteler Nachrichten)

Natürlich ist dies nur ein erstes Pilotprojekt – ein Testballon, um zukünftige Anwendungsszenarien zu identifizieren und die notwendige Infrastruktur zu schaffen. Unsere technische Infrastruktur kann momentan sicherlich noch nicht ausreichend benutzerfreundlich tagesaktuelle lokale Berichterstattung abbilden. Auch hier bedarf es noch gewisser Forschungsarbeit und vor allem eines Austausches und der Zusammenarbeit mit tollen Kooperationspartnern wie den Eimsbütteler Nachrichten und Hamburg Mittendrin. Mittelfristig soll unsere Anwendung umfassend personalisierbar werden. Eine individuell anpassbare Benutzeroberfläche, die je nach Interessenslage relevante Informationen in unmittelbarer Nähe abbildet und anbietet.

Wir sind sehr gespannt, wohin die Reise geht und bedanken uns an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich bei allen Teilnehmern unseres Teams und bei den Veranstaltern und Organisatoren dieses tollen Events. Es waren zwei großartige Tage mit Euch!

audioguideMe Scoopcamp 2013
Bildquelle: comm-press.de (John Heaven)

Besonderer Dank gilt allen Teilnehmern des Hackathons:

Dominik Brück
Isabella David
Ada von der Decken
Jan Hildebrandt
Maria Kirady
Michael Dreyer
Claudia Bracholdt
Christian Fahrenbach
Barbara Weidmann
Jörg Ehrnsberger
Carsten Henschel

Viele Grüße, Euer audioguideMe Team.

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