Seit 41 Jahren ist Hans-Jürgen Mohr schon Festmacher im Hamburger Hafen und macht die Schiffe an ihrem Liegeplatz fest. Immer bei derselben Firma. Immer mit Spaß an der Arbeit dabei. Ich treffe mich mit ihm an einem verregneten Morgen an den Landungsbrücken. Es ist kalt und die Stimmung ist gedrückt. Versteckt hinter Brücke 10, durch eine Gittertür, auf der „ Betreten verboten“ steht, sind wir verabredet. Herr Mohr wartet schon auf mich. Ein großer Mann, Bart und raue Stimme. So stelle ich mir einen echten Hafenarbeiter vor: Die Zunge ist locker, die Hände kräftig.

Wir gehen gemeinsam in den Aufenthaltsraum der Festmacher, rustikal eingerichtet, nicht geheizt. Ich lasse meine Jacke an. Er selbst trägt keine Arbeitskleidung. Hans-Jürgen Mohr ist jetzt Betriebsleiter, sein Körper spielt nicht mehr so mit. Ich merke schnell, dieses Gespräch wird kein normales Interview. Herr Mohr ist Geschichtenerzähler. Die nächste Stunde werde ich nur lauschen.

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Sein Blick schweift hinaus durch das Fenster in Richtung St.Pauli. Ich bitte ihn sich vorzustellen. Nachdem er die Fakten nennt, verfällt er gleich in die erste Geschichte. Denn alleine schon, wie er zu den Festmachern kam, ist eine eigene Story wert. Seinen alten Lehrmeister gehauen, kurze Zeit ist er arbeitslos. Sein Freund nahm ihn mit zu den Festmachern. Statt einen Tag mitzuarbeiten, tranken die beiden schon morgens Bier und Schnaps, lagen in der Sonne und haben diesen Sommertag genossen. Später in der Woche sollte er noch einmal kommen und sich beim Chef vorstellen. Um neun Uhr war er dort. Sie tranken wieder, denn der Chef hatte noch keine Zeit. Lallend stellte er sich dann schließlich vor. Seitdem ist er dabei. In seinen Augen sieht man, dass er in die Vergangenheit eintaucht. Ein Teil von ihm, so glaube ich, würde diese Zeiten gerne noch einmal erleben.

Was machen Festmacher eigentlich?

Die Aufgabe der Festmacher besteht darin, die Schiffe an der Kaimauer fest zu machen. Mit Festmacher-Booten und Autos werden die tonnenschweren Taue an Land gezogen und an den Pollern befestigt. Ein knallharter Männerberuf. Die Gefahr, dass die Taue reißen und zurückschnellen, besteht jederzeit. Es ist ein Beruf, bei dem jeder auf jeden aufpassen muss. Einzelkämpfer sind nicht gefragt, sondern Teamplayer. Die Arbeit wird mit den immer größer werdenden Schiffen nicht einfacher. Und das in einer Zeit, in der „Mann“ den Job mit weniger Leuten machen muss, als früher.

Dass Hans-Jürgen Mohr heute im Büro sitzt, gefällt ihm nicht sonderlich. Lieber wäre er draußen, würde Schiffe festmachen und mit seinen Kollegen schnacken. Auch wenn die familiären Zeiten zwischen den Kollegen nicht mehr existieren und die Arbeit immer stressiger wird- er würde wieder das Tau an Land ziehen wollen.

 

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