Es gibt viele Wege die Welt zu entdecken. Einige tun dies gerne zu Fuß und gehen auf Wanderschaft, auf „Augenhöhe“ mit der Natur und in gemächlichem Tempo. Andere sind beruflich viel unterwegs und sehen große Teile der Erde aus der Vogelperspektive, stets umrahmt von einer weißgrauen Wolkendecke. Es ist eben alles eine Frage des Blickwinkels. Die Perspektive entscheidet maßgeblich über unsere Eindrücke und Erfahrungen. Eine der sicherlich spannendsten Arten die weite Welt zu entdecken ist per Motorrad.

Dies ist auch die Leidenschaft unseres heutigen Gastes. Claudio ist einer der beiden Köpfe hinter dem äußerst hörenswerten PegasoPodcast Projekt. Wir freuen uns sehr über diese schöne Kooperation und sagen:

 

Herzlich Willkommen Claudio!

Namensgeberin Eures hörenswerten Podcasts ist ja die Pegaso 650, eine reisetaugliche Enduro des italienischen Herstellers Aprilia. Erzählst Du uns etwas zur Entstehungsgeschichte Eures Formats? Wie kamt Ihr auf die Idee für diesen Podcast, was war Eure Motivation?

Sonja und ich reisen für unser Leben gern. Zuerst fuhren wir mit Fahrrädern und mit einem selbstgebauten Wohnmobil, aber irgendwann entdeckten wir das Reisen mit dem Motorrad. Das ist die abenteuerlichste Art des Reisens, doch leider gibt es nur wenige Medien darüber. Und schon gar keinen Podcast. Also starteten wir unsere eigene Radiosendung im Netz über Motorradreisen und Abenteuer. Wir sprechen mit Leuten, die auf Fernreisen unterwegs sind oder die gerade ein Motorradabenteuer hinter sich haben. Durch die Interviews sind wir mit sehr vielen interessanten Menschen ins Gespräch gekommen, teilweise haben sich schon Freundschaften dadurch ergeben. Welche Entwicklung dieser Podcast nehmen würde haben wir vor drei Jahren noch nicht geahnt.

Was machst Du im „normalen“ Leben? Erzählst Du uns etwas über Deine Person?

Wir kehrten 2010 von einer dreimonatigen Motorradreise durch Brasilien zurück nach Deutschland. Ich musste mir einen neuen Job suchen und wollte natürlich etwas machen, das zu mir und meiner Reisebegeisterung passt. Jetzt bin ich Bildungsreferent für entwicklungspolitische Themen in der Evangelischen Kirche, dass heißt ich informiere über die Situation in Entwicklungsländern, unterstütze Menschenrechtskampagnen und fördere internationale Begegnungen. Da ich auch auf unseren Motorradreisen viele Menschen näher kennen lerne und mich mit der politischen Situation vor Ort auseinandersetze, gibt es manchmal auch Überschneidungen zwischen Hobby, Beruf und Leidenschaft. Mittlerweile mache ich auch beruflich einen Podcast, den „oipod“, in dem junge Menschen von ihren internationalen Erfahrungen erzählen.

Den PegasoPodcast gibt es mittlerweile seit über drei Jahren. Was sind Eure bisherigen Höhepunkte, habt Ihr Lieblingsfolgen? Was waren die größten Herausforderungen?

Die besten Sendungen sind immer die, bei denen die Gäste gute Geschichten spannend erzählen können, wie zum Beispiel Bruno von seiner Tour duch Indien (Folge #10) oder Steven, ein junger Student, der Asien durchquerte (Folge #46) oder Panny, der von seiner Weltreise erzählt (Folge #58). Eine große Herausforderung ist es, wenn wir von unseren eigenen Reisen podcasten.

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Über die Profilsuche (Suchfunktion auf Eurem eigenen Profil) gelangt Ihr zu Claudios Projektseite „Pegasoreise“.

 

Euer nächstes großes Abenteuer ist für diesen Sommer geplant und wird Euch nach Sumatra führen. Wie bereitet man sich auf so eine Reise vor, ist man trotz langjähriger Erfahrung noch aufgeregt und was muss man beim „Podcasten auf Reisen“ beachten?

Klar bin ich aufgeregt, mit dem Motorrad durch Sumatra zu fahren ist kein Spaziergang. Aber gleichzeitig freue ich mich riesig drauf. Auf unseren letzten Touren haben wir bereits von unterwegs Podcasts aufgenommen und gesendet. Auch auf dieser Reise werden wir die Geräusche, unsere Erlebnisse und die Atmosphäre mit dem Mikrofon festhalten. Doch diesmal werden wir uns nicht den Stress antun, das schon auf der Reise fertig zu schneiden und zu senden. Von diesem Abenteuer wollen wir später eine richtig gute Ton-Dokumentation produzieren, wie ein abendfüllendes Hörspiel.

Die Vorbereitungen für die Reise laufen schon, wir haben die Flüge nach Sumatra gebucht, lassen uns gerade Impfen und sammeln Informationen. Wir nutzen jede Gelegenheit, um Menschen aus Sumatra zu treffen und Kontakte zu knüpfen.

Das „Podcasten auf Reisen“ ist eigentlich ganz einfach. Wir haben das Mikrofon immer griffbereit, so wie auch die Fotokamera. Es hat eine Weile gedauert, bis wir ein Gespür für gute Umgebungsgeräusche entwickelt haben und wissen, wie man diese aufnimmt. Und wenn etwas Spannendes passiert, müssen wir es sofort erzählen, solange die Aufregung, Angst, Wut oder Begeisterung noch in der Stimme klingt. Wenn man es erst Stunden später aufnimmt, klingt es nicht mehr authentisch. So wie man ein Foto auch nicht später nachstellen kann, man muss eine Situation dann festhalten, wenn sie passiert.

Vor Kurzem habt Ihr das Jubiläum Eurer 60. Folge gefeiert. Zu diesem Anlass habt Ihr ein Hörertreffen organisiert. Ich stelle mir das sehr interessant vor. Welche Erfahrung habt ihr gemacht, wie lief das ab?

So spektakulär war das gar nicht, wir haben uns in einem Café getroffen und einfach unterhalten. Da waren einige Leute, die wir schon seit Jahren kennen und einige, die wir zum ersten Mal sahen. Sonja macht gerade ihren Motorradführerschein, das war natürlich ein Thema, zu dem jeder Anmerkungen und Tipps hat. Ein Hörer hat ebenfalls vor, einen Podcast über Fernreisen zu machen. Den haben wir dann natürlich mit Tipps unterstützt, es wäre gut, wenn es mehr Podcasts zu diesem Thema gibt.

Von der Aufnahme bis zum finalen Upload: Wie lange braucht Ihr ungefähr bis eine Episode fertiggestellt ist und welche Technik verwendet Ihr?

Viiiel zu lange dauert es, bis ein Podcast fertig ist! Wenn die Aufnahmen im Kasten sind, sitze ich meistens noch zwei Stunden vor dem Rechner um die Sendung zu schneiden, zu mischen und hochzuladen.

Zum Aufnehmen benutzen wir ein „Zoom H1“, das ist ein mp3-Rekorder und Mikrofon in einem. Manchmal führen wir auch Interviews auf Skype und nehmen das mit einem Programm namens „callrecorder“ auf. Dann schneide und mische ich die Aufnahmen mit der kostenlosen Software „GarageBand“. Als nächstes wird es mit „Auphonic“ gemastert, damit die unterschiedlichen Stimmen und Klänge ungefähr gleich laut und verständlich sind. Zum Schluss lade ich die fertige Datei auf unseren Podcast-Hoster und veröffentliche die Sendung auf unseren Blog, dazu gibt es noch ein Foto, Text und Links zu den Personen, mit denen wir sprechen.

Hast Du zwei, drei Tipps für Interessierte, die selbst mit dem Podcasten anfangen möchten?

Übt mit dem Mikrofon zu sprechen! Auch unsere ersten Aufnahmen klangen gruselig, weil wir zu weit vom Mikro entfernt waren und es falsch bedient haben. So macht das Hören keinen Spaß. Die beste Technik nützt nichts, wenn man sie nicht bedienen kann. Weniger ist mehr.

Nehmt euch nicht zu viel vor. Anfangs hatten wir ein zu kompliziertes Konzept, mit mehreren Rubriken in der Sendung, vielen Jingles und Schnick und Schnack. Auf Dauer geht vielen Podcastern die Puste aus, wenn es zu viel Arbeit ist. Mittlerweile sind unsere Sendungen einfacher strukturiert: Moderation, Interview, Moderation, fertig. Weniger ist mehr.

Feiert jede Sendung! Wer mehr als fünf Episoden produziert, hat gute Chancen, langfristig dabei zu bleiben. Viele starten hochambitioniert und schaffen dann doch nur ein, zwei Sendungen. Macht lieber ein langes Intervall. Wir haben uns vorgenommen nur einmal pro Monat zu senden, das reicht. Weniger ist mehr.

Welche Podcasts hörst Du selbst regelmäßig, kannst Du uns etwas empfehlen?

Alle Podcasts, die mit Reisen zu tun haben, klar. Daniels „Luftpost-Podcast“, den du ja auch schon kennst, das „Segelradio“ von Hinnerk Weiler und seit neuestem „Das Ferngespräch“ von Alexander Schmid und Dirk Primbs. Die Sendung „Schöne Ecken“ von Helge und Cornelius hat uns zum Podcasten unterwegs inspiriert. Ansonsten höre ich gerne Produktionen von Tim Pritlove und Holger Klein, den Podcast – Großmeistern.

Ihr engagiert Euch für das brasilianische Hilfsprojekt „SERPAF“. Magst Du uns kurz erzählen, was es damit auf sich hat bzw. wie Eure Verbindung zu Stande kam?

Auf unserer Reise durch Brasilien lernten wir Vanessa kennen, die ein Freiwilligenjahr bei dem Sozialprojekt „SERPAF“ in einer Favela, einem Armenviertel machte. Die junge Deutsche führte uns durch die Einrichtung, zeigte uns eine Kindertagesstätte und verschiedene Ausbildungsstätten für Jugendliche aus dem Stadtteil. „SERPAF“ entstand durch die Initiative von Müttern in dem Armenviertel, die die Situation ihrer Kinder und ihrer Familien durch Bildung und Unterstützung verbessern wollte. Mittlerweile ist es ein richtig großes Projekt geworden, das auch durch die Kindernothilfe und andere deutsche Partner unterstützt wird. Die Lebensqualität vor Ort ist mittlerweile gestiegen, trotz der Probleme und der Armut, die es nach wie vor gibt. Vanessa hat sich übrigens in einen Brasilianer verliebt und ist in Brasilien geblieben.

Wir möchten, dass audioguideMe ein interessanter Platz für die verschiedensten Geschichten und deren Handlungsorte wird. Hast Du für uns noch ein paar Tipps oder gibt es Dinge, die Du Dir hierfür wünschen würdest?

Geschichten und Geräusche von Orten dieser Welt zu sammeln finde ich großartig. Wenn mich eine bestimmte Gegend interessiert, möchte ich nicht nur wissen, wie es dort aussieht, sondern auch, wie sie klingt. Es wäre doch spannend in dreißig Jahren zu hören, wie diese Orte vor dreißig Jahren klangen. Und welche Geschichten Menschen vor dreißig Jahren an dieser Stelle erlebt haben. Ich hoffe, dass es dann audioguideMe noch gibt. Vielleicht seid ihr dann das Googlemaps zum Hören! Ich wünsche es euch!

Herzlichen Dank für das wirklich nette und interessante Gespräch!

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  1. Pingback: So hört sich das an | PegasoReise

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