Zum Wochenstart gibt es heute eine neue Folge „Zugehört“. In unserem letzten Blogartikel haben wir uns mit verschiedenen Aspekten kollektiver (akustischer) Erinnerungskultur beschäftigt. Das Projekt, welches wir Euch heute vorstellen möchten, bietet nicht zuletzt vor diesem Hintergrund eine originelle Perspektive sowie eine faszinierende technische Herangehensweise. Herzlich willkommen, Klangfassade!

Hallo Niklas, dein Podcast-Projekt ist mit Sicherheit eine der ungewöhnlichsten und interessantesten Arbeiten, die wir im letzten Jahr kennenlernen durften. Erkläre den Lesern doch kurz das Konzept hinter Klangfassade und wie Du auf diese Idee gekommen bist.

Das Konzept der Klangfassade ist ziemlich einfach. Ich besuche eine Umgebung und beschreibe diese am Anfang jeder Folge. Der Rest der Aufnahme besteht dann aus Atmosphäre ohne Kommentar.

Die Idee entstand, als die Webseite „Podcast-Ideen“ im April online ging und ich einen Vorschlag zu einem Atmosphäre Podcast fand. Ich meldete mich bei den Betreibern der Seite für diese Idee und entwarf den Podcast am selben Tag.

Was machst Du im „normalen“ Leben? Erzählst Du uns was über Deine Person?

Ich studiere „Digitale Medien“ an der „Hochschule für Künste in Bremen“ und habe letztes Jahr eine Ausbildung zum Mediengestalter abgeschlossen. Nebenbei bin ich Mitglied einer Amateurfilmgruppe cold-entertainment.de, die jedes Jahr mindestens einen Kurzfilm produziert.

Ansonsten findet man mich im Viertel oder auf dem Webmontag in Bremen.

Die räumliche Wirkung der Aufnahmen ist bei Deinem Format ja von besonderer Bedeutung, welche Technik verwendest Du hierfür bzw. wie funktioniert das?

Da das Mikrofonset, ein OKM II Studio von Soundman, an den Ohren getragen wird, entsteht eine räumliche Stereoaufnahme der Umgebung.
Wird die Aufnahme später angehört, lokalisiert man automatisch Geräuschquellen und es entsteht ein perfektes akustisches Abbild von dem von mir Gehörten.

So eine Aufnahme nennt man eine binaurale Tonaufnahme und kann vom Hörer nur über Kopfhörer oder im Tonstudio erlebt werden.

Es ist jedes Mal verblüffend, wenn dieser Effekt der Räumlichkeit eintritt und man die Kopfhörer gar nicht mehr abnehmen möchte.

Wiederholst Du auch mal eine Aufnahme falls z.B. laute Geräusche aus dem Straßenverkehr o.ä. in der Aufnahme landen, oder gehört dies dann bewusst dazu?

Da ich ein realistisches Abbild meiner Umgebung zeigen will, gehören diese „Störgeräusche“ auch dazu. Wenn also eine Gruppe Menschen im idyllischen Park an mir vorbeiläuft, hört man sie auch in der fertigen Folge.

Allerdings ist es für mich, selbst nach etwa 20 Folgen, immer noch schwer abzuschätzen wann die Mikrofone übersteuern. Manchmal fährt ein Auto vorbei oder es schlägt jemand eine Tür zu. Dies sind Kleinigkeiten, die ich dann herausschneide und die mich immer wundern lassen, wie unempfindlich meine Ohren sind.

 

klangfassade-audioguideme-screenshot

Über die Profilsuche (Suchfunktion auf Eurem eigenen Profil) gelangt Ihr zur Klangfassade.

 

Jeder Ort hat eine andere Akustik. Wie suchst Du Orte für Deine Aufnahmen aus und hast Du akustische Lieblingsplätze?

Ich suche mir Orte aus, die ich noch nicht im Podcast vorgestellt habe und die eine interessante Geräuschkulisse liefern. Da ich in Bremen wohne, findet man in den Folgen natürlich viele Aufnahmen aus der Umgebung. Ich habe aber meine Ausrüstung immer dabei und versuche neue Orte zu entdecken. Meine Lieblingsplätze für eine Aufnahme sind mit Menschen gefüllte Marktplätze oder typische Touristenecken. Diese Orte eignen sich dafür ganz besonders gut, da viele Dinge um mich herum passieren und der binaurale Effekt sehr beeindruckend wirkt.

Du hast ja zum Beispiel auch die Atmosphäre einer Warteschlange vor dem Louvre festgehalten. Sind für die Zukunft auch Aufnahmen in anderen Ländern geplant? Was würde Dich reizen?

Aufnahmen in anderen Ländern sind für mich nur möglich, wenn es mich auch tatsächlich an diesen Ort verschlägt, was leider nicht oft passiert, da ich als Student mir keine ausgedehnten Reisen leisten kann. Reizen würden mich die Hochhausschluchten von Manhattan oder eine Fahrt in einer venezianischen Gondel.
Da ich aber für 2014 andere Fieldrecorder fragen möchte, ob sie eine Folge beisteuern, ist vielleicht auch Material aus anderen Ländern dabei.

Hast Du Tipps für Interessierte, die mit Podcasten anfangen möchten oder kürzlich angefangen haben?

Lasst euch nicht entmutigen. Erwartet nicht, dass euer Podcast sofort in den Top-100 der iTunes- oder Instacast-Charts auftaucht. Wenn ihr euch die Podcast Produktion mit Podlove und Auphonic anschaut, für eine gute Aufnahme sorgt, ist schon für die halbe Miete gesorgt und der Podcastkarriere kann nichts im Wege stehen.

Welche Podcasts hörst Du selbst regelmäßig? Kannst Du uns etwas empfehlen?

Ich bin großer Fan der „Freakshow“ aus der Metaebene, da ich Gesprächsrunden mag und eine Folge mit 3-4 Stunden Länge gut über die Woche weggehört werden kann. Für Infos zu dem Thema Webdesign höre ich „Vier Diskussionen“ von vier.fm und wenn eine neue Folge des „Kuchenradios“ erscheint, freue ich mich über die Abwechslung.

Wir möchten, dass audioguideMe ein interessanter Ort für die verschiedensten ortsbezogenen Geschichten und akustischen Erlebnisse wird. Hast Du für uns noch ein paar Tipps oder gibt es Dinge, die Du Dir hierfür wünschen würdest?

Als Benutzer wäre eine Verlinkung auf die eigene Webseite oder den eigenen Blog eine gute Sache. Dadurch würde sich die Reichweite von audioguideMe erweitern.

(Kleine Anmerkung von uns: Innerhalb der App verlinkt bislang jedes Erstellerprofil einer Kooperation auf die entsprechende Website des jeweiligen Projektes. An weiterführenden Möglichkeiten zur Interaktion arbeiten wir hochmotiviert und verweisen in voller Vorfreude auf unsere bald erscheinende Android-Version.)

Vielen Dank für dieses interessante Gespräch!

One Comment

  1. Pingback: Klangfassade bei audioguideMe | Niklas Barning Podcast

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