Definition nach DIN 1076 aus Verkehrsblatt-Dokument Nr. B 5276 Vers. 07/97:
Als Brücken gelten alle Überführungen eines Verkehrsweges über einen anderen Verkehrsweg, über ein Gewässer oder über tieferliegendes Gelände, wenn ihre lichte Weite zwischen den Widerlagern 2,00 Meter oder mehr beträgt.

Diese nüchterne Erklärung vermag nicht ansatzweise etwas von dem Charme und Reiz des Projektes wiederzugeben, welches wir Euch heute etwas näher vorstellen möchten. Brücken sind etwas schönes, sie verbinden Orte und Menschen – sie stehen für Austausch und Bewegung. Und nicht zuletzt assoziieren wir positive Dinge mit ihnen, wie zum Beispiel Brückentage ; )

In unserer Reihe „Zugehört“ möchten wir Euch heute die wunderbare Sabine Sternberg vorstellen (auf Twitter dürfte sie vielen von Euch bereits unter dem Namen @kurzundknapp bekannt sein). Eine Lokalpatriotin im allerbesten Sinne des Wortes, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Hamburgs Brücken zu portraitieren. Welche Stadt würde sich besser eignen, um ein derartiges Vorhaben in die Tat umzusetzen – DENN Hamburg hat mehr Brücken, als Venedig, Amsterdam und London zusammen!

Jeden Tag stellt Sabine auf hamburgsbruecken.de eine neue Brücke vor und gibt gut recherchierte und sympathische Einblicke in Geschichte und Geschichten von Hamburgs verbindenden Elementen. Für interessierte Leser – und seit Neuestem ja auch Hörer – ergibt sich auf diese Weise eine neue, interessante Perspektive auf unsere schöne Stadt, ein ebenso sympathisches wie originelles Vorhaben. Wir freuen uns und sagen: Herzlich Willkommen Sabine Sternberg!

Am 18. September 2013 hast Du die Ellerntorsbrücke als erste Brücke auf Deinem Blog vorgestellt. Wie bist Du auf diese Idee gekommen? Gibst Du uns einen kurzen Einblick in die Entstehungsgeschichte?

Die Idee ist im September 2013 entstanden, als ich meinen Urlaub zu Hause verbracht habe. Mein eigentliches Blog „Die Welt von kurzundknapp“ hat sich immer mehr zum Hamburg-Blog entwickelt, da ich mehr und mehr Ausflugsziele in und um Hamburg vorgestellt habe, mir aber leider so langsam die Ideen ausgingen, worüber ich aus meiner schönen Heimatstadt bloggen könnte. Und da das Bloggen mittlerweile zu meinem Hobby geworden ist, habe ich mir überlegt, ich müsse etwas finden, das typisch für Hamburg ist, quasi Wahrzeichen Hamburgs. Da lag es nah, die Brücken der Stadt zu nehmen, denn keine andere Stadt in Europa hat so viele Brücken wie Hamburg. Hamburg ist das „Tor zur Welt“ und Brücken verbinden. Verbinden Menschen und Herzen, überqueren Seen, Kanäle, Fleete, Bäche, Straßen und gerade Brücken sind es daher, die immer wieder zum Träumen einladen. Dass Brücken Herzen verbinden sieht man spätestens an den vielen Liebesschlössern, die mittlerweile so ziemlich jedes Brückengeländer „zieren“. Mal schöner wie an der Zollernbrücke, mal weniger schön. Mal passend, mal weniger passend.

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Über die Profilsuche (Suchfunktion auf Eurem eigenen Profil) gelangt Ihr zu Sabines Projektseite „kurzundknapp“.

 

Was machst Du im „normalen“ Leben? Erzählst Du uns was über Deine Person?

In meinem „normalen“ Leben bin ich Vollzeit als Assistentin in einem größeren Unternehmen angestellt, habe in diesem Job aber überhaupt nichts mit Social Media, Blogs etc zu tun, sondern mein digitales Leben in den sozialen Netzwerken findet ausschließlich privat statt. Oftmals gemeinsam mit unserem Hund, der auch ein eigenes Blog hat, weil er mich auf einigen Spaziergängen auf der Suche nach Hamburger Brücken – dann Fußgängerbrücken in Ausflugsgebieten oder Wäldern – begleitet.

Wonach wählst Du die Brücken aus, über die Du berichtest?

Rein nach Lust und Laune. Die ersten Brücken, die ich vorgestellt habe, so ca. 30 Stück waren es, konnte ich aus bestehenden Blogberichten über Ausflugsziele in Hamburg, über die ich berichtet habe, generieren. Große Freude macht es mir, Brücken vorzustellen, die entweder selbst einen geschichtlichen Hintergrund haben oder in entsprechenden Straßen oder Stadtteilen liegen, so dass ich etwas über die Geschichte recherchieren kann. Selbstverständlich stelle ich die „bekannten“ Brücken vor, dann die, die vermutlich jeder schon gesehen hat, die sich also rund um die Alster befinden, in der Neustadt, Altstadt oder speziell in der Speicherstadt. Dann, wie in Hammerbrook, Billbrook, Hamm und so öffne ich Google Maps und überlege mir eine Route, mit der ich auf kürzestem Weg eine Vielzahl von Brücken „erwische“. Das sind dann zwar die Brücken, über die ich zumeist wenig erzählen kann, weil ich mich in der Ecke auch nicht wirklich auskenne, aber sie gehören nun einmal dazu und gerade dort am Süd- und Mittelkanal befinden sich eine große Anzahl von Brücken.

In den Blog-Artikeln stellst Du nicht nur die Brücken vor, sondern auch Geschichten, die sich dort ereignet haben. Wie findest Du all diese interessanten Geschichten?

Oh, das ist relativ einfach. Wenn ich einen Brückenbericht vorbereite, dann gebe ich bei Google den Namen der Brücke ein und schaue, was mir da so als Ergebnis gezeigt wird. Zumeist sind es nur lokale Anzeigen von dort ansässigen Firmen, aber oftmals finden sich auf der Ergebnisseite 2 oder 3 kleinere Artikel, wo der Name der Brücke erwähnt ist. So erging es mir mit der Streekbrücke. Den Artikel, den ich zu der Brücke fand, fand ich so passend für Weihnachten, das ich dann die Brücke am Heiligabend veröffentlicht habe, auch wenn die dazugehörige Geschichte im Frühjahr oder im Sommer passiert ist. Aber der Tenor der Geschichte passte einfach zu Weihnachten.

Du stellst jeden Tag eine neue Brücke vor. Wie lange benötigst Du ungefähr, um Deinen Artikel und die Aufnahme anzufertigen?

Das hängt von der Brücke ab. Für „normalen“ Brücken brauche ich ungefähr 10 Minuten, der Artikel ist schnell geschrieben, da ich ja zumeist vorab recherchiere und nicht unbedingt zu jedem Artikel, den ich jetzt gerade schreibe. Brücken, die ausführlicher beschrieben, oder wo ich tief in die Geschichte Hamburgs einsteige, benötigen schon einmal 30-45 Minuten. Meine Vorgehensweise ist die Folgende: ich gehe beispielsweise an einem Sonntag gezielt los und mache Fotos von Brücken. Da bin ich so 2-3 Stunden unterwegs. Wenn ich dann wieder zu Hause bin, werden die Fotos in meinen „Brücken“-Ordner in die Dropbox verschoben und mit Namen der jeweiligen Brücke versehen. Dann setze ich mich ca. 1 Stunde an den Rechner und schaue, ob ich über die jeweiligen Brücken Interessantes im Netz finde und speicher dies wie gesagt bei Pocket ab. Sobald ich dann Zeit habe, setze ich mich dann irgendwann an den Rechner und schreibe Brückenartikel vor, in dem ich „einfach nur“ den Input der abgespeicherten Artikel mit den Fotos zusammen bringe, den Link zur openstreetmap Karte setze und fertig ist der Artikel. Das mache ich zumeist morgens früh in aller Ruhe. Ich habe immer so 6-10 Artikel vorgeschrieben, so dass ich dann morgens nur noch auf „publizieren“ klicken muss und ein Artikel geht online. Ach so, sobald ich einen Artikel vorgeschrieben habe, wird das Foto in der Dropbox umbenannt, indem ich ein „erl.“ voranstelle – so passiert es mir nicht, dass ich Brücken versehentlich doppelt veröffentliche.

Die Aufnahme ist dann schnell angefertigt, da ich zumeist auf meinen Brückenbericht zurückgreife, noch ein paar ergänzende Worte dazu und das war’s. Wie gesagt, durchschnittlich 20 Minuten pro Brücke.

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Bereits über 70 Brücken gibt es schon auf audioguideMe zu hören.

 

Hast Du eigentlich eine Lieblingsbrücke? Wenn ja, welche ist das und warum?

Eine einzige Lieblingsbrücke habe ich nicht, sondern mehrere: die Poggenmühlenbrücke, weil sie einfach einen traumhaften Blick auf das Wasserschloss bietet, die Reesedammbrücke, weil ich es faszinierend finde, wie unterhalb der Brücke und unterhalb der Alster vor knapp 100 Jahren bereits ein U-Bahnhof angelegt wurde (die Brücke an sich ist nicht gerade schön), die Wilhelminenbrücke aufgrund ihres steinernen Orientteppichs und die Pickhubenbrücke in Blickrichtung Jungfernbrücke mit Kannengießer- und Kannengießerortbrücke. Von dort aus hat man abends einen traumhaften Blick auf die beleuchtete St. Katharinen Kirche.

Hast Du Tipps für Interessierte, die selbst mit dem Bloggen über Orte anfangen möchten?

Ja: schreibt einfach drauf los. Und zwar genau das, was Euch einfällt. Denkt nicht darüber nach, ob und was andere darüber denken könnten, sondern erzählt Eure Geschichte, Eure Empfindungen. Macht weiter, selbst wenn am Anfang das Feedback ausbleibt. Ihr müsst erst gefunden werden. Kommentiert bei anderen Blogs, die Euch gefallen und man wird auf Euch aufmerksam. Vernetzt Euch. Und: schreibt auch über Orte, über die andere schon berichtet haben. Jeder Mensch denkt und fühlt anders. Macht Euch Notizen. Oder sprecht Eure Gedanken und Gefühle in Euer Smartphone. Nutzt die Technik!

Seit Kurzem gibt es Hamburgs Brücken auch zum Anhören. Was ist der besondere Reiz daran und wo liegen aus Deiner Sicht die größten Unterschiede zu Deinen Text-Beiträgen?

Der besondere Reiz am Anhören liegt genau daran: am Hören, was andere über die Orte zu erzählen haben. Ich habe mir zuvor andere Beiträge über Orte angehört und fand das extrem interessant und der größte Unterschied liegt natürlich daran, dass ich vor Ort, direkt am Ort des Geschehens mir anhören kann, was andere hierüber berichten. Wenn ich jetzt in Hamburg (oder anderswo) unterwegs bin, freue ich mich über jede Push-Nachricht „es gibt ein Audio in deiner Nähe“, dann schaue ich auf die Karte und erfahre so Neues und Interessantes über den Ort, an dem ich gerade bin. Ich stehe also auf einer Brücke und höre mir an, was mir hierzu erzählt wird. Beispielsweise die Wilhelminenbrücke: der AudioguideMe Zuhörer steht auf der Brücke und wird von mir aufgefordert, nach unten, auf den Boden zu schauen und den tollen Boden zu entdecken. Zu Hause am Schreibtisch, auf dem Sofa, liest man den Beitrag, aber nimmt dies vielleicht nicht so sehr wahr. Es ist die direkte Beschreibung des Ortes am Ort, das das Anhören so interessant macht.

Gibt es Podcasts, die Du regelmäßig hörst? Falls ja, kannst Du uns etwas empfehlen?

Nein leider nicht. Oder doch: vor kurzem hat HHMittendrin einen Podcast gestartet. Den will ich mir in Kürze anhören. Aus zeitlichen Gründen bin ich nur noch nicht dazu gekommen.

Wir möchten, dass audioguideMe eine Plattform für die verschiedensten Geschichten und deren Handlungsorte wird. Hast Du für uns noch ein paar Tipps, oder gibt es Dinge, die Du Dir hierfür wünschen würdest?

Ich wurde schon mehrfach darauf angesprochen, dass sie sich die Beiträge leider nicht anhören können oder nicht partizipieren können, da es noch keine App für Android gibt. Aber soweit ich weiß, ist dies ja in der absehbaren Zukunft soweit.

Gibt es eigentlich schon Gedanken an die Zeit nach den 2.500 Brücken Hamburgs? Gibt es ein Projekt, dass Dich danach reizen würde?

Ja, ein konkretes Projekt gibt es, ich weiß nur noch nicht, wie ich es umsetze. Wenn ich denn mit der Vorstellung der Brücken durch bin – wobei ich nicht alle 2.500 Brücken vorstellen kann und werde – möchte ich aus den Blogbeiträgen ein eBook machen. Eine Art Reiseführer, Routenführer durch Hamburg anhand von Brücken.

Parallel dazu blogge ich aber natürlich auch über andere Dinge auf meinem Hauptblog weiter. Und mal sehen, vielleicht stelle ich sonst irgendwann die unterschiedlichen Laternenmasten, Brückenbeleuchtungen oder so vor? Oder, was mir aufgefallen ist, es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Gullydeckel 🙂 Vielleicht wäre dies ja sonst auch eine Idee für jemanden, der mit dem Bloggen anfangen möchte, aber noch nicht weiß, worüber?

Wir danken vielmals für dieses nette und wirklich interessante Gespräch und freuen uns sehr, Dich auf unserer Plattform begrüßen zu dürfen.

P.S.: Unsere Freunde von Mittendrin haben Sabines interessante Leidenschaft letztes Jahr auch schon einmal in einem Artikel gewürdigt.

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